Humboldt-Forschungspreis für renommierten Wahrnehmungsforscher stärkt Gießener Psychologie

 

Niederländischer Physiker Prof. Dr. Jan Koenderink auf Vorschlag von JLU-Wissenschaftler Prof. Dr. Karl Gegenfurtner ausgezeichnet

 
Die Gießener Wahrnehmungspsychologie freut sich über prominente Verstärkung: Auf Vorschlag von Prof. Dr. Karl Gegenfurtner (Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)) ist der renommierte Wahrnehmungsforscher Prof. Dr. Jan Koenderink mit einem der begehrten Humboldt-Forschungspreise ausgezeichnet worden. Der 73-jährige Niederländer, der auch nach seiner Emeritierung weiter an der Universität Utrecht forscht, wird das Preisgeld von 60.000 Euro an mehreren Monaten im Jahr dafür nutzen, mit den Kolleginnen und Kollegen an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) im Gebiet der Wahrnehmung von Farbe und Material zu forschen. Begleitet wird er dabei von seiner Frau und Ko-Autorin Andrea van Doorn.
 
Prof. Koenderink ist seit 50 Jahren Vorreiter auf dem Gebiet der Wahrnehmungsforschung. Insbesondere in den Themenfeldern Optischer Fluss, Formwahrnehmung sowie Materialwahrnehmung sorgte er durch die einzigarte Kombination aus mathematischen Erkenntnissen und gründlicher experimenteller Forschung für echte Durchbrüche.  „Die wahre Stärke von Jan Koenderink liegt darin, dass er nicht nur Theoretiker, sondern auch ein höchst erfolgreicher und kreativer Experimentator ist“, betont Prof. Gegenfurtner in seiner Laudatio.  „Dass seine Ideen ihrer Zeit für gewöhnlich weit voraus sind, ist innerhalb unseres Fachs weithin anerkannt.“ 
 
Koenderink sei zwar nicht mehr jung, seine wissenschaftliche Produktion laufe aber weiter auf Hochtouren, wie er unter anderem bei einem zweimonatigen Aufenthalt in Gießen im Herbst letzten Jahres unter Beweis gestellt habe. „Der Humboldt-Forschungspreis und die damit verbundenen Aufenthalte des Preisträgers geben der Gießener Psychologie die Möglichkeit, sich in den kommenden Jahren an die Spitze der internationalen Wahrnehmungsforschung zu setzen“, betonte Gegenfurtner.
 
Mit dem Humboldt-Forschungspreis zeichnet die Alexander von Humboldt-Stiftung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland für ihr bisheriges Gesamtschaffen aus, deren grundlegende Entdeckungen, Erkenntnisse oder neue Theorien das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in der Zukunft weitere Spitzenleistungen erwartet werden können. Die Preisträger sind eingeladen, selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr durchzuführen. Der Aufenthalt kann zeitlich aufgeteilt werden. Die Nominierung erfolgt durch Wissenschaftler in Deutschland. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert.

Kontakt
Prof. Karl Gegenfurtner, Abteilung Allgemeine Psychologie
Otto-Behaghel-Straße 10, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-26100
Mail: karl.r.gegenfurtner@psychol.uni-giessen.de

Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen-schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC).